Abwechslungsreicher Segeltörn - Mallorca 2013

Unsere Stockschützen-Freunde, die oft den Erzählungen von Segelgeschichten zuhören mußten, wollten es endlich mal selber erfahren was beim Segeln so toll sein soll. Also charterten wir für eine Woche eine Jeanneau SUN ODESSEY 45, bei dem Vercharterer unseres Vertrauens, dem wir schon sehr oft vertraut haben.

Natürlich ändert die Zeit auch die vertrauten Bedingungen in der Charterfirma. Zwischenzeitlich ist die nachfolgende Generation in der Geschäftsleitung und irgendwie fehlt plötzlich der vertraute Umgangston. Zu allem Überfluss mußten wir erfahren, daß auch die alte Service-Crew der Charter-Basis in Palme de Mallorca nicht mehr im Einsatz ist.

Die nächste Überraschung war das zugeteilte Boot - die "Flamenco" -, die wir schon zweimal gefahren hatten und immer Probleme mit dem Autopilot auftraten. Na, schaun wir mal was es diesmal gibt.

Dieter, Rosmarie und Bertrand, schon mit einigen tausend Seemeilen Erfahrung, starten also mit Gina und Olaf, die schon bei einem Segeltörn im Ionischen Meer dabei waren und mit den Freunden Robert, Günther und Walter, die das erste Mal Seeluft schnuppern, aber schon zuhause in Theorie und Knotenkunde fleißig seemännisch aktiv waren.

Die aus München einfliegende Teilcrew landet um 08:00 Uhr in Palma und trifft dort auf Gina und Olaf, die von Nürnberg abgeflogen sind.
Mit 2 Taxi fahren alle zur Marina Real Club Nautico - unserem Ausgangspunkt.
Rosmarie, Gina und Bertrand fahren nach Palma zum Verpflegungs-Einkauf, während die anderen das Boot übernehmen, Kaution bezahlen, Bettwäsche im Empfang nehmen, ein Bier im Marina-Cafe filtern bzw. sich in der Marina umsehen.


wikipedia - Mallorca

Als die Einkäufer zurückkommen wird der Einkauf verstaut. Danach wird das Gepäck an Bord gebracht, ausgepackt, Kabinen eingerichtet und die Betten überzogen. Bei der folgenden Pause mit unserem eigentlichen Begrüßungsschluck, folgt die Crew-Einweisung. Es weht eine sehr frische Brise in der Marina, was bedeutet, daß "draußen" mindestens, wie vorausgesagt, ein Wind mit 6 Bft bläst. Es fällt der Entschluß nicht mehr am Samstag rauszufahren, sondern an Bord alles klar zu machen, an Bord zu essen und am Sonntag ausgeruht und ausgeschlafen zu starten.

Zum ersten Mal geniessen wir an Bord die Künste unserer Bordküche. Der Tisch ist gedeckt wie in einem Nobelrestaurant, zwar platzmäßig etwas eingeschränkt, aber viel gemütlicher und urig - seglerisch. Nach dem Essen wird unten das Boot aufgeräumt, die Wassertanks kontrolliert, damit wir nicht wieder nach 3 Tagen kein Wasser mehr haben, wie schon mal passiert.
Dieter erklärt nochmal wie die Keramik funktioniert, anschließend schlendern wir durch die Marina, genießen den Abend im Cockpit und denken an den morgigen Tag, was der wohl bringen wird.

Gute Nacht - schlaft gut, bis Morgen!

1. Fahrtag Palma - Cala Pi

Sonntag-Morgen, alles scheint noch zu schlafen. Auf dem Nachbarschiff ist Bewegung, als Dieter von der Morgendusche zurück kommt, hat der Nachbar schon abgelegt. Wir gönnen uns noch ein schönes Bordfrühstück und sprechen anschließend das Ablegemanöver durch.

  

Das erste Ablegemanöver - alle sind aufmerksam als wir durch die Liegergassen ins freie Hafenbecken fahren, es gibt keine Probleme. An der Hafenausfahrt übernimmt Rosmarie das Ruder, es empfängt uns in der Bahia de Palma ein 4-5 Bft Wind mit 0,5m-Wellen.

Im Kielwasser hinter uns wird Palma, mit der Kathedrale, immer kleiner. Der Plan für den heutigen Tag ist Richtung Cabrera zu fahren und je nach dem wie die Crew den Wind und die Wellen verträgt, Cabrera zu umrunden und, oder vorher, Cala Pi anzufahren.

Je weiter wir ins freie Wasser kommen, umso stärker weht der Wind und die Wellen werden höher. Bertrand übernimmt das Ruder und die Wellen setzen ihm ziemlich zu - er macht uns patschnaß. Der Wind kommt aus Westen mit 5-6 Bft.

Außerhalb der Bucht von Palma dreht der Wind voll auf 6 Bft mit Böen auf 7 Bft. Immermehr Wellen türmen sich auf 2m+ auf - es wird spaßig. Dieter hat das Ruder übernommen. Mit halb gerefftem Segel fahren wir mit 6 Knoten. Dieter hat den Kurs nach südosten korrigiert, sodaß die Wellen etwas achterlicher als querab auf den Bootskörper schlagen, dadurch ist es trockener im Cockpit. Allerdings fahren wir nun direkt auf Cabrera zu.

Im Cockpit ist es ruhig geworden, nach und nach hat sich die Crew in die Kabinen zurückgezogen. Walter und Dieter sind die einzigen, die sich zur "Neptun-Zeit" ein Blechbrötchen genehmigen um Neptun und Aiolos um gute Segelbedingungen zu bitten.

Wir wären gern um Cabrera herumgefahren, aber einige Crewmitglieder sind sicherlich anderer Meinung und froh, wenn möglichst bald eine ruhigere Bucht erreicht werden würde, also Kurswechsel - auf nach Cala Pi.

Ein Segler überholt uns, der mit Vollzeug unterwegs ist, ohne Rücksicht auf seine Crew, denn 3 Mann sitzen backbords auf dem Süllrand und füttern die Fische mit ihrem Mageninhalt.

Die Gesichter entspannen sich, als wir frühzeitig eine ruhige Bucht ansteuern. Vor uns sehen wir schon eine Segelyacht in Cala Pi einfahren. Dieter kennt die Bucht, die relativ schmal ist und nur eine begrenzte Anzahl Ankerlieger aufnehmen kann. Als wir näher kommen fährt der beobachtete Segler schon wieder raus und im Vorbeifahren zeigt er uns mit der Hand eine Wellenbewegung, die wohl andeuten soll, daß es in der Bucht zu unruhig ist.

Wir fahren tiefer hinein, alles leer, kein Boot befindet sich in der Bucht. Am Ende ist ein Badestrand und auf zirka 3m Wassertiefe werden die Wellen ruhiger.
An der Ostseite lassen wir den Anker fallen und fahren rückwärts auf die Westseite zu.

 

Die beiden hinzugekommenden Boote an unserer Steuerbordseite, die näher zur Buchtausfahrt liegen, schauckeln stärker durch die hereindrückenden Wellen. Neben ihnen versuchen einige Zeit später noch zwei Boote festzumachen, aber denen schien wohl der Platz zu unruhig, denn kurz darauf hatten sie wieder abgelegt.

 

Robert hat den Anker an der ausgesuchten Stelle fallen lassen, die Rückwärtsfahrt des Bootes streckt die Kette und läßt den Anker in den sandigen Grund festfahren. Wir haben noch 1 Meter Wasser unter dem Kiel - der Liegeplatz scheint ideal. Mit Walter hatte Dieter schon zuhause über das Manöver mit der Heckleine zum Land diskutiert und er macht nun mit Bertrand das Dinghi klar, um die Leine auszubringen. Es ist eine 50 m-Leine, die an der Steuerbord-Heckklampe befestigt wird. Walter setzt den Außenborder auf den Heckspiegel der Gummisau, Bertrand steigt mit ein und Dieter wirft die geordnete Leine ins Boot.

Walter steuert das Dinghi, Bertrand führt nach und nach die Leine ins Wasser. An der, von den aufschlagenden Wellen, unruhigen Felswand steigt er über und befestigt die Heckleine an einem hervorstehenden Felsen. Dieter setzt die Leine an der Heckklampe durch und die Flamenco liegt sicher befestigt, mit 20 m Kette bei 3m Wassertiefe.

Das Manöver hat hervorragend geklappt - Robert, der Ankermaat ist ebenfalls zufrieden!

Rosmarie und Dieter kennen die Bucht Cala Pi von früheren Besuchen und immer hat es hier ein glasklares Wasser gegeben, nur heute bei dem starken Wind mit 6 Bft und den hereinschlagenden Wellen ist der sandige Grund aufgewühlt und des Wasser leicht trüb. Trotzdem springen Walter und Dieter vom Boot in das erfrischende Wasser. Mit der Heckdusche an Bord und einem umweltverträglichen Duschmittel wird hinterher das Salzwasser abgespült.
Nun fehlt nur noch ein kühles Bier und die Welt ist wieder in Ordnung.

 

Nachdem es in der Bucht ruhig geworden ist, bekommen wir noch einen Nachbarn, der mit seinen Manövern etwas Unruhe bringt. Zuerst legt er sich parallel zu unserem Liegeplatz, aber mit dem Heck ziemlich nah zum Ufer. Vermutlich hat er dort Grundberührung bekommen, denn die Wassertiefe ist dort nicht mehr ausreichend, obwohl sein Boot wohl weniger Tiefgang hat als unsere 45er. Also legt er noch mal um und bringt seine Heckleine ans gegenüberliegende Ufer, was jedoch unsinnig erscheint, weil der Wind, der von Westen kommt, auf diese Ostseite drückt. Ob das gut geht?

 

 

Trotz der unruhigen See vor der Bucht liegen wir relativ ruhig, also genießen wir die abendliche Stille, obwohl das Nachbar-Boot immernoch an einem neuen Liegeplatz bastelt.

... weiter mit dem 2. + 3. Fahrtag