Segeltörn - Überführung 2004

Benalmádena (Malaga) - Ibiza - Palma de Mallorca

mit der "ALUSTAR" - einer Reinke 16, Selbstausbau

Der Überführungstörn begann für die "ALUSTAR" auf Teneriffa / Kanaren. - eine Reinke 16,
die von einem Handwerker, der offensichtlich kein Schreiner war, ausgebaut worden war.
Die erste Teilstrecke der "ALUSTAR" endete in Malaga und für den zweiten Abschnitt von
Malaga nach Palma de Mallorca hatte ich mich eingekauft.
Der Ablauf meiner Ankunft war etwas abenteuerlich: das erste Mal in Malaga, der Name
des Hafens "Benalmàdena" war von "Kaya Lodge" falsch geschrieben worden
und der Taxifahrer am Flughafen schüttelte ständig mit dem Kopf,
weil er den falsch geschriebenen Namen des Hafens nicht kannte - erst ein Kollege
kam auf die richtige
Schreibweise "Benalmàdena" und ein Handy-Anruf zum Skipper,
der auf dem Boot auf mich wartete, brachte die letzte Gewißheit.

Der Hafen "Benalmàdena" ist ein riesiger Yachthafen, der Taxifahrer setzte mich an der
östlichen Zufahrt ab und ich machte mich mit der notierten Liegeplatznummer auf die
Boot-Suche - dieser Platz war natürlich auf der (fast) westlichsten Mole des Hafens.

So habe ich Benalmàdena kennengelernt, mit seinen schönen Liegeplätzen vor den eben
so schönen Apartment-Wohnungen direkt am/im Wasser, durch Restaurant-Straßen,
mit vollem Roll-Gepäck über holprige Pflaster-Wege, bei ca. 25°C im Schatten und
gekleidet, wie man Anfang Mai eben in Deutschland gekleidet ist.
45 Minuten habe ich gebraucht und das erste Bier,
mit meinen neuen Segelkameraden für die nächsten 6 Tage, war eine Wohltat.

Mit lauter unbekannten Leuten bin ich seit meinem Prüfungstörn nicht mehr gefahren,
aber irgendwie harmonieren auf einem Boot immer alle - einigermaßen,
man muß sich halt etwas anpassen.

Das Boot kam, wie gesagt, von Teneriffa und Oliver, Franz-Josef und ich sind in Malaga
zugestiegen. Drei Andere, die wir nicht mehr kennenlernten, haben hier ihre Reise beendet.
Rainer, der aus meiner langjährigen Heimatstadt Nürnberg stammt, hatte den ersten
Überführungsabschnitt schon mitgemacht, erzählte von den Tagen und Nächten auf dem
Atlantik und schwärmte von den riesigen Dünen, die wie Wasserwände auf sie zukamen, das
Boot sanft nach oben trugen, um es auf der anderen Seite wieder in das Wellental zu bringen.
Andreas, der Skipper, hielt einen kurzen Sicherheits-Vortrag zum Boot und Törn, stellte alle vor,
erkundigte sich nach den jeweiligen Fähigkeiten und ernannte mich zum Co-Skipper.
Er erklärte uns, daß er unbedingt die Discothek in Ibiza-Stadt kennenlernen will und
deshalb würden wir Morgen früh (Sonntag) nonstop nach Ibiza losfahren.

Wir haben uns heimlich gefragt, wer eigentlich die zahlenden Gäste sind und was die Disco
in Ibiza mit "nautischer Notwendigkeit" zu tun hat.
Nun ja ... um 10 Uhr legten wir ab, bei Sauwetter und mittlerem Regen.
Das Boot selber war ein Fiasko. Rainer hatte uns erzählt,
daß sie schon in Teneriffa in dem begehbaren 2-Motoren-Maschinenraum
Reparaturen durchgführt hatten, die Bilgenpumpe funktionierte nicht - sollte aber, weil
durch die undichten Salonfenster ständig Wasser tropfte und sich in der Bilge sammelte.

Das Großsegel fehlte ganz, die Lieferung eines neuen Segels wurde erst im Palma erwartet.
Die Hydraulik-Steuerung reagierte erst nach einer ganzen Raddrehung nach rechts
oder links. Das war besonders lästig, weil der Regen, nachts, den brillentragenden
Rudergängern, durch einen Spalt zwischen Sprayhood und Bimini, voll ins Gesicht traf
und damit der Kompass äußerst schlecht zu erkennen war.
Der Autopilot gab gleich beim ersten Versuch der Inbetriebnahme seinen Geist auf.
Als wir uns am nächsten Tag, bei den ersten warmen Sonnenstrahlen auf den Backskisten
im Cockpit entspannen wollten, löste sich die schwarze Versiegelung aus den Teakfugen
und versaute unsere Segelhosen.

Die zwei durchfahrenen Nächte waren ein echtes Erlebnis - außerhalb der Fahrwasser für die
Berufsschiffahrt. Heiteres Schiffe-Raten nach Positionslichtern und ausweichen von unverhofft
auftauchenden Fischerbooten mit oft magelhafter Beleuchtung, wechselten sich ab.
Gigantisch war der Anblick von einem langsamen Mondaufgang - orangerot,
auf dem schwarzen Hintergrund des Horizontes.



Ständige Begleiter in den Morgenstunden waren Delphine, die sich unser Boot als
Spielzeug aussuchten. Tagsüber hatten wir viel Glück, daß der Wind aus Westen kam,
sodaß wir trotz fehlendem Großsegel einigermaßen vernünftig segeln konnten.
Erst am Montag vor Calpe drehte der Wind auf Nordost.
Wir fuhren die Nacht wieder unter Motor,
erreichten in den frühen Morgenstunden Ibiza und legten an einem Privatsteg an.

Als es heller wurde und die Tür vor dem Stegzugang nicht aufgeschlossen wurde,
haben wir zum Club Nautico gewechselt.

Frühstücken in einem Straßencafe und die Stadt anschauen - am nächsten Tag war ein
Feiertag in Ibiza, es fand ein riesiges Mittelalter-Fest statt - viele Einheimische waren in
mittelalterlichen Kleidern unterwegs
und viele mittelalterliche Verkaufsstände boten alle möglichen Waren an
- von Essen bis Bekleidung und sogar Einrichtungsgegenstände.

Tanzgruppen und Theateraufführungen wurden geboten.
Eine Falkner-Gruppe ließ unterschiedliche Greifvögel über die Köpfe der Zuschauer
hinweg fliegen. In den engen Altstadtgassen gab es einen Umzug
mit allen möglichen Berufsgruppen und Gauklern aus alten Zeiten.

Am frühen Donnerstag-Vormittag, bei schietigem Wetter machten wir uns auf den Weg nach
Palma de Mallorca - diese Fahrt war ein Hammer! Bei leichtem Regen und mäßigem Wind
aus N-NO und natürlich wegen des fehlenden Großsegels motorten wir Richtung Mallorca.
Bis Tagomago erreicht war, hatte der Wind auf 4 Bft aufgefrischt
und steigerte sich bis in die Abendstunden auf Sturmstärke 9 Bft.
Die Wellenhöhen stiegen bis auf 4 Meter - es wurde eine Höllenfahrt.
An schlafen war kaum zu denken, als ich den Versuch machte, flog ich in meiner
Bug-Kabine wie ein Spielball hin und her - auf und ab, völlig unkontrolliert.



Ein annehmbarer Platz wäre noch oben im Cockpit gewesen, aber da war es zu eng,
reichte gerade für den Rudergänger und einen zweiten Kontrollmann - die beide nach
zwei Seiten mit den Sorgleinen vom Lifebelt gesichert sein mußten.
Außerdem mußte ein Platz für Oliver freibleiben, der ab und zu rasend schnell seine
Position zwischen Toilette und Cockpit wechseln mußte.
Wenn ich von unten den schmalen Ausschnitt vom Niedergang hinauf schaute, sah ich
manchmal den Mond in einem Höllentempo vorbeisausen.
Die beiden Motore unseres Bootes (böse Zungen behaupten einer wäre für Vorwärts-,
der Andere für Rückwärts-Fahrt) kämpften voll gegen an,
da der Wind genau aus unserer Zielrichtung kam,
ich glaube mit einem GFK-Boot hätten wir es auf diesem Kurs nicht durchgestanden.

Die Sicht schien gleich "0" zu sein - durch die Klarsichtfolien der Sprayhood konnte man
sowieso nichts sehen, deshalb hatten Rainer und ich beschlossen unsere Ruderzeiten
zu überschneiden, damit einer immer nach fremdem Schiffen Ausschau halten konnte.
Es hätte uns gerade noch gefehlt, bei diesen Bedingungen einem Frachter oder einer
Fähre zu begegnen. Der Rudergänger konnte, durch den regelmäßigen Wasserschwall,
der über dieSprayhood kam und genau das Gesicht traf,
kaum noch die Kompaßanzeige erkennen, erst recht kein Brillenträger.
Sehnsüchtig hofften wir bald die Leuchtfeuer der beiden vorgelagerten Kap's der
Bahia de Palma zu sehen.
Als es soweit war und wir in die Bucht von Palma einfuhren, beruhigte sich das Wetter,
jedoch konnte das Boot trotz der beiden Maschinen nicht mehr als 2 Knoten
Geschwindigkeit machen.

Ich habe nie erfahren, warum wir nicht schneller fahren konnten -
wegen einer Strömung? - oder hing irgendetwas in den Schrauben?
- wir wissen es nicht.

Die Überfahrt hatte 20 Stunden gedauert und wir waren froh, als wir noch bei Dunkelheit
provisorisch an der Außenmole der Marina de Mallorca festmachen konnten.
Als es hell wurde, setzten wir in die Marina um, dabei rutschte Franz-Josef auf
einem Fensterluk aus und brach sich unglücklicherweise die Schulter.
Nachdem er verbunden aus dem Krankenhaus kam, konnte er sich leider nicht mal
mehr waschen - hoffentlich mußte er im Flugzeug nicht im Laderaum mitfliegen.

Ein Törn, der sehr viel Erfahrungswerte brachte, aber es muß nicht nochmal so sein!